Viel Schnee in Teilen der Nordalpen, dass Schneefallereignis von Anfang Januar 2019

Am  Gipfel der Alpspitz im Fürstentum Liechtenstein, am 06.01.2019

 

Seit Tagen herrscht in Teilen der Nordalpen, von Österreich über Bayern und hinüber zum Schweizer Alpenraum, verbreitet die Lawinenwarnstufe gross bzw. auch sehr gross. Diese Stufe hängt natürlich mit den immensen Schneemengen, welche in den letzten Tagen gefallen sind zusammen.

Doch wie kam es zu dieser Situation im nördlichen Alpenraum? Noch gar nicht so lange her, sind doch die trockenen und warmen Monate im Jahr 2018. Die Zirkulation im Bereich von Europa wurde in den vergangenen Monaten, genauer von mindestens April 2018 bis November 2018, bestimmt von grossen, die Westdrift blockierenden Hochdruckgebieten. Die Fronten der Tiefdruckgebiete verhungerten mehr und mehr, je weiter sie nach Osten bzw. zum Alpenraum vorankamen. Deutlich zeigte sich dies an der Niederschlagsarmut der Monate April bis November 2018. Die Westwetterlagen blieben dem nördlichen Alpenraum weitgehend fern. An dieser Situation änderte sich bis Ende November 2018 nicht viel. Exemplarisch sei eine Karte von Europa mit der Luftdruckverteilung von Mitte November 2018 dargestellt.

Gut zu sehen ist das grosse Russlandhoch, welches seine Fühler bis weit nach Europa hinein ausstreckt. Weit draussen auf dem Atlantik, westlich von Irland tummeln sich die Tiefdruckgebiete. Nach und nach stellte sich mit der neuen Jahreszeit « Meteorologischer Winter (Beginn am 01.12.) » die Wetterlage um. Mehr und mehr wurde das Hoch abgebaut. Die Wetterfronten gelangten somit, nach mehrmonatiger Abwesenheit, in den nördlichen Alpenraum. Dies spiegelte sich in dem recht nassen Dezember 2018 wieder. Er konnte natürlich nicht die Trockenheit der vergangenen Monate aufholen, ein guter Abschluss für die jährliche Niederschlagsbilanz war er aber allemal. Eine dauerhafte Schneedecke konnte sich allerdings in den ersten Dezembertagen 2018, in Lage unter 1000 Meter, nicht einstellen. Dies sollte sich jedoch mit der Umstellung der Wetterlage ändern.

Die obige Karte zeigt exemplarisch die Situation ab welcher sich auf der Alpennordseite eine dauerhafte Schneedecke, auch in tiefen Höhenlagen (unter 1000 Meter) und mittleren Lagen, bilden konnte. Das ehemalige Russlandhoch hat sich weit nach Osten zurückgezogen und seinen Einfluss auf den Alpenraum gänzlich verloren. Über Skandinavien hat sich ein Tiefdrucksystem eingenistet und über der Biskaya liegt ein Hochdruckgebiet. Der Keil des Hochs über der Biskaya reicht bis weit nach Norden in den Bereich östlich Grönlands. Aufgrund dieser Drucksituation konnte sich eine nördliche bis nordwestliche Strömung über Mitteleuropa einstellen. Somit gelangten maritime Polarluftmassen zum Alpenraum. Diese, mit Feuchte geladenen Luftmassen, stauten sich auf der Alpennordseite und brachten die ersten „Wintereindrücke“ ab dem 11.12.2018 auch in tiefen Lagen hervor.

Schaut man sich die Situation einen Monat später, anhand der unten dargestellten Bodendruckkarte an, so ist diese Situation doch der von Anfang Dezember 2018 sehr ähnlich. Das Hochdruckgebiet hat sich etwas weiter auf den Atlantik zurückgezogen und die Tiefs liegen über Polen bzw. nördlich im skandinavischem Raum. Die aus dieser Drucksituation resultierende Strömung ist nach wie vor aus nördlichen Richtungen. Die Wetterlage hat sich also seit der ersten Dezemberdekade, mit kurzer Unterbrechung zu Weihnachten 2018 hin, in diesem Muster mehr oder weniger stark eingefahren. Besonders gilt dies für den Zeitraum vom 02.01.2019 bis zum 10.01.2019. Immer wieder bringt diese Wetterlage dauerhaft Schneefälle am nördlichen Alpenrand und löste somit eine recht prekäre Lawinensituation in Teilen Österreichs, Bayerns und der Schweiz aus.

Nun folgen Diagramme (Schweiz, Österreich und Liechtenstein), welche den Aufbau der Winterschneedecke auf der Alpennordseite in tiefen, mittleren und alpinen Höhenlagen zeigen. Erwähnenswert ist bei allen gezeigten Diagrammen der Zeitraum vom 02.01. bis zum 10.01.2019. Gab es in dieser Zeit doch einen täglichen Zuwachs der Gesamtschneehöhe. Diese niederschlagsreiche Phase führte somit zur angespannten Lawinensituation.

Reutte liegt am nördlichen Alpenrand in Tirol auf knapp 900 Metern Höhe. Diese Messtelle kann die Situation für ein Gebiet in tiefer Höhenlage abbilden. Gut zu erkennen ist, dass die erste Dezemberdekade schneelos, verlaufen ist. Erst ab dem 11.12.2018 konnte eine geringe Schneehöhe von 10 cm gemessen werden. Diese Schneedecke hielt sich in Lagen unterhalb von 1000 Metern bis kurz vor Weihnachten. Danach liess das Weihnachtstauwetter die Schneehöhe auf null abschmelzen. Ab dem 25.12.2018 bildete sich wieder eine geringe Schneedecke von ca. 5 cm, welche mit Ausnahme vom 30.12., bis Jahresende und darüber hinaus, Bestand hatte. Ab dem 02.01.2019 nahm die Schneehöhe bis einschliesslich zum 10.01.2019 von Tag zu Tag kontinuierlich zu. Dies zeigt deutlich die niederschlagsintensive Phase vom 02.01. bis 10.01.2019 Bis zum Ende der ersten Januar Dekade erreichte die Schneehöhe somit knapp 1 Meter.

Der Schneehöhenverlauf an der Schwägalp, nördlich des Säntis gelegen, ist repräsentativ für die unteren mittleren Höhenlagen. Dieser Messstandort zeigt grundsätzlich einen ähnlichen Verlauf der Schneehöhe ähnlich dem in Reutte. In der ersten Dekade kein oder nur wenig Schnee, dann eine Zunahme auf um die 20 cm. Kurz vor Weihnachten ein Abbau auf null am 24.12. Danach eine Neubildung auf um die 10 cm bis zum 01.01.2019. Ab dem 02.01.2019 nahm auch hier die Schneehöhe täglich von 19 cm bis zum 10.01.2019 auf 127 cm zu. Hier muss noch erwähnt werden, dass die mittlere Schneehöhe am 10.01. auf der Schwägalp bei ca. 73 cm liegt. Es liegt also knapp das doppelte an Schnee, als dies zu dieser Jahreszeit üblich wäre. Aktuell liegt auch schon mehr Schnee als die Maximale mittlere Schneehöhe von ca. 126 cm. Diese wird in dieser Höhenlage normalerweise erst Ende Februar bzw. Anfang März erreicht.

Malbun liegt im Fürstentum Liechtenstein und repräsentiert die mittleren Höhenlagen. Auch hier das gleiche Bild, wie bei den zwei vorherigen Stationen. Nur mit dem Unterschied, dass das Weihnachtstauwetter in dieser Höhenlage die Gesamtschneehöhe nicht mehr auf null reduzieren konnte. Mit 25 cm wurde hier am 24.12. der niedrigste Wert gemessen. Danach stieg die Schneehöhe bis zum 10.01.2019 auf 137 cm an. Die Durchschnittliche Schneehöhe beträgt an einem 10.01. 47 cm. Am 10.01.2019 liegen hier also knapp das dreifache der mittleren Schneehöhe. Der Höchste jemals an einem 10.01. gemessene Wert beträgt 150 cm. Hier ist die Messstation nicht mehr weit von einem neuen Rekord entfernt.

Samnaun repräsentativ für die Silvretta – Region, verzeichnete ebenfalls zu Beginn des Dezembers 2018 wenig Schnee. Mit dem Drehen der Strömung auf nördliche Richtungen, ab der zweiten Dezember Dekade, konnte sich hier aber eine solide Schneedecke bilden. Aktuell liegen hier 106 cm Schnee, dies entspricht ziemlich genau dem Doppelten dem zu dieser Jahreszeit üblichen Schneemenge von 51 cm.

Die Stationen Galzig, im Arlberggebiet gelegen und die Station Weissfluhjoch, bei Davos gelegen repräsentieren die «Alpinen Höhenlagen» der Alpen. Das Arlberggebiet ist weitherum durch seinen Schneereichtum bekannt und wird als Wiege des Skisports in den Alpen bezeichnet. Beide Messstandorte verzeichnen seit dem Beginn des meteorologischen Winters eine durchgehende Schneedecke, was für diese Höhenlage natürlich nichts Ungewöhnliches ist. Liegen durchschnittlich am Weissfluhjoch an einem 10.01. normalerweise 129 cm Schnee, so werden zurzeit mit 205 cm gut das 1.5-fache gemessen. Wahrscheinlich ist die Situation im Arlberggebiet ähnlich, jedoch liegen mir hier keine Mittelwerte, wie auch Maximalwerte der Schneehöhe vor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, das alle hier betrachtenden Messstationen das 1.5-fache bis das Doppelte der zu dieser Jahreszeit üblichen Schneemenge aufweisen. In Malbun ist es nahezu das 3 – fache. Diese Schneemengen haben sich grösstenteils vom 02.01. bis zum 10.01.2019, mit einer anhaltenden Nordströmung und somit Luftmassenstau aufsummiert. Die Konsequenz ist eine grosse bis sehr grosse Lawinengefahr in Teilen der nördlichen Alpen.