Schneeschuhtour auf den höchsten Berg Kretas (Psiloritis 2456 Meter ü. NN), am 28. – 29.04.2019

Schneeschuhtour auf den höchsten Berg Kretas.

Zugegebenermassen, wer an Griechenland bzw. an die griechische Insel Kreta denkt, denkt nicht unbedingt an Schneeschuhtouren und hohe Gipfel welche man mit Schneeschuhen erklimmen kann. Eher weckt die Insel Gedanken an Baden und Meer, sowie Olivenhaine und mediterranes Flair. Im Frühling und Herbst bietet die Insel jedoch unzählige Wandermöglichkeiten bis hin zu Frühjahrsschneeschuhtouren.

Schaut man sich die Geographie der Insel etwas genauer an, so erkennt man drei Gebirge welche die Insel von West nach Ost überziehen. Desweiteren ist die Insel mit unzählige Schluchten und Furchen übersät. Die westlichste Gebirgskette, nennt sich die „Weissen Berge“, oder wie sie im Namen der Einheimischen genannt werden,die „Lefka Ori“. 

In der Geographischen Mitte Kretas befindet sich das Idagebirge, mit dem höchsten Gipfel der Insel, dem Psiloritis mit 2456 Metern. Dieser hat alpines Format zu bieten. Bis Ende Mai und Anfang Juni ist es keine Seltenheit, dass dieser Berg mit Schnee bedeckt ist. Somit ist dies doch Grund genug, dem Strandleben an zwei Tagen den Rücken zu kehren und eine Schneeschuhtour auf den höchsten Berg Kretas zu unternehmen. 

Wir haben uns entschlossen den Gipfel von seiner nördlichen Seite her mit Schneeschuhen zu erklimmen.

Doch zuerst erfolgt die Anreise. In unserem Fall sind wir mit dem Auto ab der Gemeinde Livadia, welche auf ca. 600 Metern liegt, auf einer asphaltierten Strasse ca. 13 km südwärts ins Bergland hineingefahren. Nun erreicht man, wenig Schnee vorausgesetzt, das Refuge Lakkos Mygerou auf ca. 1600 Metern. Wir jedoch, mussten unser Auto auf ca. 1460 Metern, an einem Hirtenpfad abstellen, da die Strasse zu diesem Zeitpunkt noch mit viel Schnee bedeckt war.

Das Refuge Lakkos Mygerou dient als Schutzhütte und man könnte hier sogar übernachten. Wir zogen es jedoch vor in unserem Auto zu nächtigen. Das Refuge machte auf uns nicht gerade den besten Eindruck. Mag sein, wenn im Sommer die Wanderer kommen, sieht es etwas annehmlicher aus.

Gestartet sind wir gegen 08:30 Uhr. Ein Startzeitpunkt für Schneeschuhtouren, so wie wir sie aus den Alpen zu dieser Jahreszeit kennen, sehr spät. Hier jedoch kam uns dieser Entscheid entgegen. Die obersten Zentimeter der Schneeoberfläche waren schon weicher und nicht mehr so eisig wie am frühen Morgen. Allgemein lässt sich zur Schneedecke festhalten, dass sie gering in ihrer Mächtigkeit war und sehr kompakt. Ebenso waren keine Nassschneelawinen im gesamten Gebiet zu erkennen, trotz der doch intensiven Strahlung während des Tages. Ein paar Fischmäuler, ein Zeichen von Gleitschneeaktivität, ausgelöst an den steilen und plattigen Kalkfelsen, konnten wir im Gelände erkennen. Diese waren jedoch weit weg von unserer Aufstiegsroute und somit waren wir sicher unterwegs. Etwas mühsam war der stürmische Wind. Dieser setzte schon während der Nacht ein. An diesem Massiv stellt er leider keine Seltenheit dar. Befindet sich der Gipfel ziemlich exponiert auf der Insel. Der stürmische Wind hielt leider auch den folgenden Tag über an, und gestaltete die Tour somit nicht immer angenehm. 

Für unseren Aufstieg wählten wir den in der Karte eingetragenen Sommerweg. Dieser führt vom Refuge Lakkos Mygerou in südöstlicher Richtung zuerst in eine Mulde hinein, ehe man einem Rücken folgend bis ca. 2100Metern aufsteigt. Nachfolgend querten wir auf einen weiteren Rücken hinaus und hielten auf eine Kuppe auf ca. 2180 Meter zu. So ersparten wir uns eine doch etwas steilere und mit Schneeschuhen an unseren Füssen unangenehme Querung. In südlicher Richtung weitergehend, erreichten wir ohne Probleme den Sommerweg des E4 auf ca. 2240 Metern. Diesem folgten wir in westlicher Richtung. 

Auf ca. 2300 Metern legten wir ein Schneeschuhdepot an. Nicht weil unsere Kletterkünste gefragt waren, sondern weil der breite Rücken bis zum Gipfel frei von Schnee war. Unsere Schneeschuhe mussten wir zusätzlich unter einem Steinhaufen sichern, denn der Wind wehte nach wie vor ganz ordentlich.

Am Gipfel angekommen läuteten wir die Gipfelglocke der Gipfelkapelle auf 2456 Metern. Wie schon erwähnt sparten wir uns einen längeren Aufenthalt aufgrund des Windes. 

Somit konnten wir die Aussicht nur begrenzt geniessen. Der Rückweg erfolgte unserer Aufstiegsrute entlang zurück. 

Als Resümee von unserer Schneeschuhtour auf den höchsten Berg Kretas lässt sich sagen, dass dies eine sehr schöne, und zum Teil an arktische Landschaft erinnernde, Schneeschuhtour war. Meiner Meinung nach steht sie den Touren in den Alpen in nichts nach, und ist doch mal etwas Anderes zum gewohnten Urlaubsalltag. 

Fakten zur Tour:

  • Streckendistanz (Hin- / Rückweg): 4km / 4km
  • Höhenmeter (Auf- / Abstieg): 900 Meter / 900 Meter
  • Zeitbedarf (Ohne Pause, nur Gehzeit): ca. 4 h 45 min
  • Für wen ist die Tour geeignet: Für alle die selbstständig eine Schneeschuhtour planen und durchführen können. Ebenso gibt es für diese Region natürlich kein Lawinenbulletin. Jeder muss die Lawinengefahr selbstständig einschätzen können.
  • Weitere Infos unter: wander-tour.org